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Interview

#PulseofEurope – Für die Zukunft Europas

Dr. Daniel Röder, Gründer von „ Pulse of Europe “ im Interview mit Causales

Causales: In über 130 Städten in 19 Ländern gehen ein Mal im Monat Tausende von Menschen auf die Straße für ein gemeinsames Europa. Herr Dr. Daniel Röder hat die Bürgerinitiative „Pulse of Europe“ Ende 2016 ins Leben gerufen. Was hat Sie dazu bewegt, den Impuls zu geben, Menschen zu motivieren sich zur Idee eines vereinten, demokratischen Europas zu bekennen?

                          Logo Pulse of Europe

Röder: Der Ausgang des Brexit-Referendums hat mich schockiert und in große Sorge versetzt. Auch wenn das Vereinigte Königreich immer einen gewissen Sonderstatus reklamiert hat, gehört es doch zu Europa und zur EU. Dann kam die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA. Beide Abstimmungsergebnisse waren auch Folge heftigsten Populismus. In beiden Fällen haben die politischen Gegner – hier die Remainers, dort die Anhänger von Clinton oder Sanders oder oder oder – die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Demonstriert wurde jeweils nach den Urnengängen. Meine Frau und ich haben uns vor allem angesichts der Präsidentschaftswahlen in Österreich und Frankreich und den Parlamentswahlen in den Niederlanden und Deutschland große Sorgen um die Zukunft unseres vereinten Europas und der Demokratie gemacht. Uns war klar: Wir müssen jetzt selbst aktiv werden, raus auf die Straße und für unsere Überzeugung einstehen.

Causales: Für viele der 500 Millionen Einwohner ist die Zukunft Europas in Form der Europäischen Gemeinschaft mit der Trias Rat, Kommission und Parlament zu abstrakt, die Zivilgesellschaft hat wenig Einfluss auf Entscheidungen in Brüssel. Wie finden Sie die Idee, Europa zukünftig unter einem republikanischen Dach zu organisieren?

Röder: Die Idee gibt es ja schon lange und sie hat Charme. Bis dahin ist es allerdings ein weiter Weg. Entweder es gibt einen großen Knall, die EU löst sich auf und wir starten ohne die Geburtsfehler mit den Staaten, die mitmachen wollen neu. Oder – wahrscheinlicher – es gilt, erstens die Zusammenarbeit auf bestimmten Politikfeldern zu vertiefen, zweitens gleichzeitig dem Subsidiaritätsprinzip neues Leben einzuhauchen und drittens an einer echten europäischen Zivilgesellschaft zu arbeiten. Nur dann hat das Projekt Europa überhaupt eine Zukunftschance.

Causales: Mit Blick auf die Bundestagswahlen in Deutschland hat „Pulse of Europe“ einen Offenen Brief an die Politik gesendet und Politiker gebeten, zu Europa Stellung zu beziehen. Welche Antworten haben Sie von den Politikern auf Ihre Wahlprüfsteine erhalten?

Röder: Bis auf die AFD und CSU haben alle großen Parteien geantwortet. Die Antworten waren nachvollziehbarer Weise relativ abstrakt; dennoch wurden die unterschiedlichen Ansätze der Parteien deutlich. Wir haben die Texte auf unserer Website zum Nachlesen veröffentlicht: www.pulseofeurope.eu/de/antworten-offener-brief

Causales: Beethovens 9. Symphonie mit Schillers Text „Ode an die Freude“ ist nicht nur die Hymne aller Europäer, sie wird von den Teilnehmern auf den Veranstaltungen von „Pulse of Europe“ in ganz Europa gesungen. Welchen Anteil hat Ihrer Meinung nach darüber hinaus die lokale, regionale und nationale Kultur im Europäischen Einigungsprozess?

Röder: Sie spielt eine große Rolle – und zwar positiv wie negativ: Wenn Menschen das Gefühl bekommen, „aus Brüssel“ fremdbestimmt zu sein und ihnen in allen Belangen Regeln aufgezwungen werden, die ihr Leben eher erschweren als erleichtern, sinkt die Akzeptanz. Die weitere Integration kann nur gelingen, wenn die lokale und regionale Identität respektiert werden und weiter zu Entfaltung kommen können. Denn wir sind in Vielfalt geeint und nicht in Uniformität. Auf der anderen Seite: Ohne Ausprägung einer europäischen Identität in großen Teilen der europäischen Bevölkerung wird es schwierig werden. Das Schöne ist: Wir müssen keine Entscheidung zwischen lokaler, regionaler, nationaler und europäischer Identität treffen. Das passt alles wunderbar zusammen.

Causales: Für Ihre Initiative haben Sie bereits die europäische Zivilgesellschaft mobilisiert, sich zu Europa zu bekennen. Wie finanzieren Sie Ihre Initiative und ist es auch für europäische Unternehmen möglich, Ihre Initiative und die Veranstaltungen von „Pulse of Europe“ zu unterstützen?

Röder: Wir finanzieren uns ausschließlich aus Spenden, bislang überwiegend kleinere bis mittlere Spenden privater Unterstützer. Um überlebensfähig zu bleiben, müssen wir dringend unser Fundraising professionalisieren. Außerdem wollen wir den bestehenden gemeinnützigen Verein für Fördermitglieder öffnen. Unternehmen können uns selbstverständlich auch unterstützen. Was wir allerdings nicht wollen, ist eine finanzielle Abhängigkeit von einzelnen. Das würde unserem Anspruch an Unabhängigkeit nicht gerecht.

Causales: Herzlichen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit „Pulse of Europe“, lieber Herr Dr. Röder.

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