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stARTacademy - Ein Jahrzehnt voller Künstlerförderungen

Unsere stARTacademy feiert in der Spielzeit 19/20 ihr zehnjähriges Jubiläum, was uns stolz macht, da auch wir damit auf ein volles Jahrzehnt Künstlerförderung zurückblicken können. Gegründet 2009 als Unterstützung für hochtalentierte junge Künstler, hat sich das Format mittlerweile weg vom reinen Sponsoring-Gedanken hin zu intensiven Kulturpatenschaften, nachhaltigen Karriereförderungen und einem umfassenden Künstlernetzwerk etabliert. „Es spricht für die Qualität unserer stARTacademy, dass eine Vielzahl der Künstler uns auch nach ihrer aktiven Förderung, die in der Regel drei Jahre beträgt, treu bleibt“, so Thomas Helfrich, Leiter Kultur, Sport und Bildung bei Bayer. „Das Schöne daran: Wir geben nicht nur den Künstlern etwas, sondern sie auch uns. Durch die intensive Auseinandersetzung miteinander, ausgiebige Gespräche und gemeinsame Projekte. An dieser Stelle geht ein großes Dankeschön an alle Künstler, die uns in den vergangenen Jahren ihr Vertrauen geschenkt haben. Darüber hinaus erachten wir unser kulturelles Engagement als unerlässlich, da Kunst und Kultur neben wirtschaftlichen und sozialen Faktoren die Pfeiler einer kreativen und freien Gesellschaft sind.“

Unsere stART-Künstler zeigen uns diese Freiheit und Kreativität immer wieder – mit ihren Auftritten im Erholungshaus in Leverkusen, aber ebenso mit ihren ganz persönlichen Engagements und Geschichten:

Sandro Roy traf Tobias Feldmann traf das Concertgebouw Kammerorchester

Bergsteiger bilden Seilschaften, um gemeinsam zum Ziel zu kommen. Sie geben sich mittels einer Leine Halt. Gleichzeitig müssen sie sich hundertprozentig aufeinander verlassen können, schließlich hängen sie aneinander. Tritt einer fehl, hat das Auswirkungen auf alle anderen. Ähnlich verhält es sich mit unseren stART-Künstlern: Viele von ihnen sind Solisten, schließen sich für einzelne Projekte aber auch immer mal wieder mit anderen zusammen. Manchmal mit Künstlerkollegen, die sie schon eine Weile kennen – manchmal mit neuen. Unsere stARTacademy ist dabei mitunter nicht ganz unschuldig, hat die ein oder andere Paarung zusammengeführt oder das Wunschorchester überzeugt, einmal gemeinsam aufzutreten.

Im Fall von Tobias Feldmann (Violine / stART-Künstler 2015-2018) und Sandro Roy (Violine / stART-Künstler seit 2018) greifen gleich mehrere Punkte: Tobias wollte schon immer einmal mit dem Concertgebouw Amsterdam konzertieren, Sandro im Zusammenspiel mit Tobias auf der Bühne stehen. Das haben wir hinbekommen, sodass das Leverkusener Publikum im September 2019 einen besonderen Abend erleben durfte: Concertgebouw Kammerorchester traf Tobias Feldmann traf Sandro Roy.

Philippe Kratz – inspiriert von Anni Albers

Der Leverkusener Philippe Kratz (Tanz & Choreografie / stART-Künstler seit 2018), der inzwischen seit über zehn Jahren in Reggio Emilia (Italien) lebt und mit Aterballetto als Tänzer arbeitet, hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen als talentierter Nachwuchs-Choreograf erarbeitet. Sein erstes Duett „Lettres d’Amour“ entstand bereits im Jahr 2012, seitdem schuf er verschiedene Choreografien für seine Tanz-Kollegen.

Philippe Kratz in „O“ © Ralph Mohr

Im Frühling 2019 hat Philippe Kratz mit den Proben für seine neue Arbeit „cloud|materia“ begonnen. Während seiner vorbereitenden Recherchen zu dem Stück setzte er sich intensiv mit dem Bauhaus auseinander, insbesondere mit Anni Albers. Sie war eine talentierte Weberin und eine der wenigen weiblichen Werkstattleiter am Bauhaus in Weimar und Dessau. Nur wenig bekannt: Anni Albers war nicht nur eine Vorreiterin und Meisterin ihrer Kunst und ihres Handwerks, sondern auch eine sehr eloquente Schriftstellerin. In ihren Aufsätzen und Texten fand Philippe Kratz Ansätze, die sich mit seinem Verständnis von Tanz und Bewegung decken.

Zwei Gedanken faszinieren ihn besonders: Einerseits war Anni Albers ein sehr praxisorientierter Mensch. Für sie war klar, dass man sich nur eine Zeitlang mit der Theorie beschäftigen kann. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man in die Praxis gehen, das Material erspüren muss, um es im wörtlichen Sinne zu be- und ergreifen. Nur so entstehe ein wirkliches Verständnis, das eine Neuinterpretation, eine Formung, eine Bewegung zulasse, um eine starke und klare Aussage zu treffen. „Das entspricht mir sehr“, so Kratz, „auch ich arbeite praxisorientiert, habe eine physische Aufgabe in meiner täglichen Arbeit.“ „Die andere Idee, mit der ich mich wirklich verbunden fühle, ist, dass Anni und Josef Albers mehrmals nach Südamerika reisten, um den Spuren präkolumbianischer Völker wie den Paracas und den Nazcas nachzugehen. Anni nahm deren Ideen für ihre eigene Arbeit auf. Ich finde das sehr interessant, möchte für mein Stück einen ähnlichen Ansatz wählen. Der Tanz als älteste Kunst der Welt geht weit in die Menschheitsgeschichte zurück. Ich denke, dass es das Ritual des Tanzes war, das an erster Stelle stand und die Menschen wirklich verband. Es war eine Kunstform, die die Transzendenz im Menschen inspirierte. Ich möchte auf diese Form von Ritual in meinem Stück zurückkommen, möchte Tänzer und Performer einbinden und zwischen ihnen einen Ritus entstehen lassen.“

Im Erholungshaus in Leverkusen kann man sich am 25. April 2020 von dem Ergebnis überzeugen.

Alexej Gerassimez: Genesis of Percussion

Das neue Programm von Alexej Gerassimez (Schlagzeug / stART-Künstler seit 2018) entfaltet ein virtuoses und vielschichtiges Panorama: von der Stille über Soundflächen bis hin zu urban-groovigem Getöse und komplexen Kompositionen. In einer stringenten Konzert-Dramaturgie nehmen Alexej Gerassimez und seine Percussion Group den Zuhörer mit auf eine Entdeckungsreise durch unterschiedlichste rhythmische und stilistische Kulturen. Die Grundidee von „Genesis of Percussion“: die Entstehung von Klängen und Rhythmen aus unserer alltäglichen Umgebung heraus. Dabei kommen auch Kochtöpfe, Zeitungspapier, Schlüsselbunde, Kieselsteine oder Bodypercussion zum Einsatz.

Alexej Gerassimez © Nikolaj Lund

Alexej möchte den Zuschauer mit „Genesis of Percussion“ einladen, das Schöne und Faszinierende in unserem akustischen Alltag zu entdecken und das musikalische Potenzial darin zu erleben. Ausgehend von archaischem Instrumentarium entwickeln er und die anderen Musiker komplexe Klangwelten, die das gesamte Panoptikum der Percussion-Welt einbeziehen: von der kleinen zur großen Trommel, von asiatischen und lateinamerikanischen Instrumenten bis hin zum Vibra-, Marimba- oder Xylophon, immer wieder ergänzt durch die Zuspielung elektronischer Klänge. Die Aufführung lebt zudem von der schnellen Taktung aus unterschiedlichen Besetzungen: Solo, Duo, Trio, Quartett, Quintett, Elektronik – und nicht zu vergessen: ausgefeilte Interaktionen mit dem Publikum, die am 21.  April 2020 in Leverkusen zu erleben ist.

Kunsthochschulen zu Gast: Akademie der Bildenden Künste München Klasse Prof.Pia Fries
 
In unserer Ausstellungsreihe „Kunsthochschulen zu Gast“ stellt sich 19/20 die Klasse von Professor Pia Fries von der Akademie der Bildenden Künste München vor.
 

Akademie der Bildenden Künste München, Klasse Prof. Pia Fries, Ausstellungsansicht © Akademie der Bildenden Künste München Alexej

Die aktuelle Debatte um die Kunst und ihre Belange ist ähnlich aufgeladen, wie es die politische ist. Auch die Hervorbringungen unter dem Begriff „Kunst“ driften mittlerweile weit auseinander: Das Spektrum reicht von politisch motivierten, aktionistischen Medieninszenierungen bis hin zu den glänzenden Oberflächen hochpreisiger „Siegerkunst“ zum Beispiel eines Jeff Koons. Wie ist eine Autonomie der Kunst im Angesicht von wachsendem Rechtfertigungsdruck gegenüber moralisch aufgeladenen Zensurforderungen aus dem Reich der „political correctness“ auf der einen und ökonomischen Zwängen auf der anderen Seite – vor dem Hintergrund der Kunstgeschichte – überhaupt zu verstehen, geschweige denn zu postulieren? Wann ist etwas als Kunstwerk zu bezeichnen, wann als reine Meinungsäußerung, wann ist eine Hervorbringung „bloß“ ein Design-Gegenstand? Kunststudierende haben die schwere Aufgabe, sich in diesem aufgeladenen Umfeld zu orientieren und einen eigenen Weg zu finden, der ihnen nicht nur als Kunstproduzenten, sondern auch als Menschen gerecht wird. Hierfür benötigen sie nicht nur Möglichkeiten zur Produktion, sondern auch Gelegenheit, sich zwischen den Akteuren des Kunstbetriebs, zwischen Institutionen, Publikum, Geld- und Auftraggebern auszuprobieren, um sich, die Kunst, aber auch die Lehrenden und die Institutionen auf die Probe zu stellen. Die Lehrenden müssen die Antworten auf die drängenden Fragen nicht zwingend kennen. Sie haben aber im besten Falle selbst diesen angesprochenen Prozesse durchlaufen und sind fähig, diese auch bei den angehenden Künstlern sowohl zu moderieren als auch die manchmal nötige Angriffsfläche zu bieten.

Pia Fries hat in Luzern Bildhauerei und bei Gerhard Richter in Düsseldorf Malerei studiert. Sie lebt und arbeitet in München und Düsseldorf. Nach ihrer Professur an der Universität der Künste Berlin hat Fries seit 2014 eine Professur für Malerei an der Akademie der Bildenden Künste München inne. Ihre Arbeit ist international durch Ausstellungen bekannt und in Sammlungen vertreten.