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Rothenburg ob der Tauber

Pittoresk – Rothenburg ob der Tauber als Landschaftsgarten, kulturelle Themenjahre 2019 – 2021

Für die mittelfränkische Kleinstadt Rothenburg ob der Tauber (11.000 Einwohner) ist die geographische Randlage an der Grenze Bayerns zu Baden-Württemberg seit jeher Fluch und Segen zugleich. Fluch aufgrund einer mehr als hundertjährigen ländlichen Rand- und Rückständigkeit fernab der industriellen Moderne, Segen dank einer landschaftlich und architektonisch selten gewordenen Einheit im mittelalterlichen Stadtbild. Bereits 1908 konstatierte der bedeutende Kunst- und Architekturhistoriker Georg Dehio: „Die Stadt als Ganzes ist Denkmal“. Die ikonischen Qualitäten der mittelalterlichen Bau-Ensembles, aber auch die landschaftliche Einbettung hoch über der Tauber sorgten bereits um 1880 für eine touristische Erschließung. Seit mehr als 135 Jahren ist Rothenburg ob der Tauber im internationalen Tourismus das Sinnbild einer europäischen Stadt des Mittelalters und Inbegriff einer Stadt der Romantik (1950 Gründung der Romantischen Straße). Zwischen der Wahrnehmung im Ausland – speziell in Übersee wie USA; Japan, Brasilien, Taiwan, Südkorea und China – und der in Deutschland klafft zunehmend ein Widerspruch. Wertgeschätzt im Ausland, wird Rothenburg ob der Tauber im Inland allzu oft als „altfränkisch“, „touristisch überlaufen“ und tendenziell biedermeierlich verkitscht wahrgenommen. Um diesem Image entgegenzuwirken, wurden im Rahmen einer seit 2011 gestarteten Qualitätsstrategie neben Maßnahmen der Digitalisierung, der Weinkulinarik und des Immateriellen Kulturerbes  unter anderem kulturelle Themenjahre initiiert: Auf einer einer breiten Basis kultureller Institutionen und wirtschaftlicher Leistungsträger wird Rothenburgs reiche Kulturgeschichte wie lebendige Kulturszene für Einheimische und Gäste gleichermaßen in Wert gesetzt. Den Auftakt machten die Themenjahre 2016 – 2018 zu „Rothenburg ob der Tauber in Renaissance und Reformation“, es folgt nun 2019 – 2021 „Pittoresk – Rothenburg ob der Tauber als Landschaftsgarten“ und ab 2024 „Rothenburg und das Taubertal im Bauernkrieg 1525“.

Diese kulturellen Themenjahre sollen im Sinne eines Upgrading zunächst für die heimischen und naheuropäischen Quellmärkte Rothenburg ob der Tauber auch als Kultur-, Kunst- und Städtereiseziel etablieren.

Zum Hintergrund des Projekts  „Pittoresk – Rothenburg als Landschaftsgarten“

Die naturräumliche Topographie und Morphologie von Rothenburg ob der Tauber erfüllten gegen Ende des 19. Jh. und zu Anfang des 20. Jh. alle Kriterien des Pittoresken. Die Stadt wurde derart von britischen Künstlern (Architekten und Malern) rezipiert und schlägt über die ästhetische Kategorie des Pittoresken eine Brücke in die Moderne.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Rothenburg ob der Tauber als ein in der Zeit stehengebliebenes mittelalterliches Kleinod wiederentdeckt. Maler wie Carl Spitzweg, Dichter (Paul Heyse), Kunsthistoriker (Georg Dehio) und Architekten (Camillo Sitte) hatten daran maßgeblichen Anteil. Für Deutschland war Wilhelm Heinrich Riehls „Gang durch das Taubertal“ 1865 eine wichtige Publikation, international bewirkten das Historienspiel „Der Meistertrunk“ (1881) und die Weltausstellung in Chicago 1893 (Rothenburgs Rathaus als Vorbild für den deutschen Pavillon) ein erhöhtes Echo für Rothenburg ob der Tauber. Bereits Ende der 1860er Jahre hatte der US-amerikanische Maler Toby Rosenthal (1848 – 1917) unter Münchner Malerkollegen den visuellen Reiz Rothenburger Stadtansichten und Genreszenen populär gemacht.

Wiederkehrende Motive in Zeichnungen, Skizzen, Gemälden und Fotografien waren Rothenburgs Stadttore, das Marktplatzensemble samt Marienapotheke sowie von Westen her die Lage hoch über dem Taubertal („ob der Tauber“). Dieser Motivbestand verdichtete sich vor dem Ersten Weltkrieg zu einem fest gefügten Kanon an Motiven, der in Postkarten- aber auch hochwertigen Fotografie- und Grafikserien massenhaft Verbreitung fand. Neben „mittelalterlich“ wurden bereits um 1900 „romantisch“, „märchenhaft“ und „malerisch“ zu typischen Attributen Rothenburgs – Letzteres übrigens synonym mit dem englischen „picturesque“.

Eben dies „picturesque“ fanden britische Maler, Stadtplaner und Architekten in Rothenburgs Landschaft, in seinen Architekturen und Straßenszenen vor: starke Kontrastwirkungen, Unregelmäßigkeiten in Straßenverläufen und Hausfassaden, interessante und abwechslungsreiche Architekturgruppen, ein pikanter Charme des Gotischen, aber auch des Ruinösen und die Vermengung von Natürlichem und Künstlichem. Raymond Unwins Planungen für Hampstead Garden Suburb (Nord-London, ab 1906) und Richard Riemerschmids „Grüner Zipfel“ der ersten deutschen Gartenstadt Hellerau bei Dresden (ab 1908) sind in der motivischen Gestalt erkennbar von Rothenburg ob der Tauber beeinflusst. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts war Rothenburg ob der Tauber damit Sinnbild einer anderen, einer pittoresken Moderne – im Unterschied zur späteren Bauhaus-Moderne.
 

Handlungsfelder

Unter dem Sammelbegriff „Pittoresk“ werden für die Themenjahre 2019 bis 2021 nachstehende Handlungsfelder gebündelt:

Wissenschaftliche Tagung „Pittoresk – Rothenburg ob der Tauber als Landschaftsgarten“ vom 5.04. – 7.04.2019 in der Evangelischen Tagungsstätte Wildbad, Rothenburg ob der Tauber, u.a. mit Prof. Dr. Adrian von Buttlar (Berlin) und Prof. Dr. Bernd Guggenberger (Berlin) / Zwei große Kunstausstellungen jeweils im Reichsstadtmuseum („Pittoresk! Selbstbild – Fremdbild – Wiederaneignung“; 7.03. 2020 – 31.12.2021) und im Mittelalterlichen Kriminalmuseum („Rothenburg on the Tauber – Britische Sichtweisen “; 1.05.2021 – Oktober/Dezember 2021) / Eine Sonderausstellung im Refektorium des Reichsstadtmuseums soll sich dem noch nicht aufgearbeiteten Thema „Rothenburgs Einfluss auf die Gartenstädte Hampstead (London) und Hellerau (Dresden)“ widmen (Ausstellungszeitraum 7.03.2020 – 31. 12.2021). / Die ev. Tagungsstätte Wildbad wird 2019 und 2020 ein in Kooperation mit der Nürnberger Akademie der Künste laufendes Projekt „Artist in Residence“ unter die Themenstellung des modern Pittoresken (LandArt) stellen. / Musikveranstaltungen im Rahmen des „Fränkischen Sommers“ 2019 und des „4. Internationalen Festivals des Liedes“ 2020 werden sich dem musikalisch Pittoresken widmen. / Rothenburger Gästeführer werden in Sonderführungen das Thema „Malerisches Rothenburg“ erschließen. Um 1900 gegebene Sichtachsen sollen wieder freigelegt werden. / Hinzu kommen Bildungsprogramme im Rahmen der Rothenburger Diskurse und in Kooperation mit der Städtischen Musikschule, der örtlichen Stadtbücherei und dem Campus Rothenburg der Hochschule Ansbach. 

Fakten

Standort: Große Kreisstadt Rothenburg ob der der Tauber
Rechtsform: Kommune
Rechtsform: Kommune
Gründungsjahr: 1172 (Stadtrechte)
Wirkungsregion: lokal, regional, Artists in Residence (Akteure) / international (Publikum)
Besucher pro Jahr: ca. 1,7 Mio (Tagesbesucher)
Veranstaltungen p.a.: 30 – 50
Anzahl der Mitarbeiter: 10 (Referat für Tourismus, Kunst und Kultur)
Förderung: Derzeit bereits durch „Leader Region an der Romantischen Straße“