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Künftige Europäische Kulturhauptstädte: Offener, Integrierter, Internationaler! Die Rolle der Europäischen Kulturhauptstädte für Stadtentwicklung und europäische Integration

Die räumliche Dimension der Europäischen Integration ist ein zentrales Themenfeld in der EU und verfügt über umfassende budgetäre Mittel im Rahmen der Kohäsionspolitik. Investitionen in Infrastrukturen und Innovationscluster schaffen allein noch keinen Zusammenhalt in Europa. Dafür braucht es u. a. Initiativen wie die Idee der Europäischen Kulturhauptstädte, die sich lokale Entwicklung im Rahmen eines breiten europäischen Erfahrungs- und Ideenaustausches zum Ziel setzen und Potential für eine breite öffentliche Wahrnehmung haben. Die Initiative Europäische Kulturhauptstädte ist nun in die Jahre gekommen. Wird sie ihren Ansprüchen im Hinblick auf territoriale Integration und europäische Zusammenarbeit gerecht? Welche neuen Themenfelder müssten stärker angesprochen werden?

Veränderungsprozess statt Eventkultur

Die Regelungen für die Umsetzung der Europäischen Kulturhauptstädte wurden in den letzten Jahren von einer Eventorientierung hin zu einer prozesshaften Transformation modernisiert. Nachhaltige Effekte sind ausdrücklich erwünscht. Weiterbildung und Training nun Teil der Vorbereitungen, massive Infrastrukturprojekte dahingegen eher die Ausnahme als die Regel in den Umsetzungsprogrammen. Der Kalender für Europäische Kulturhauptstädte ist bis 2033 fixiert und umfasst je zwei Städte pro Jahr in je zwei verschiedenen Mitgliedsstaaten. Jedes dritte Jahr kommt eine Stadt in der EU Nachbarschaft hinzu. Diese Regelung legt die geographischen Ankerpunkte für Kandidatenstädte fest. Das Interesse an einer Bewerbung um den Titel Europäische Kulturhauptstadt ist konstant stark in vielen EU Mitgliedsländern.

Regionalisierung

Die territoriale Ebene, an denen die Europäischen Kulturhauptstädte andocken, hat sich schrittweise zu Mittel- und Kleinstädten sowie Regionen verschoben. Besonders kleinere Mitgliedsstaaten verfügen häufig über wenige urbane Zentren und richten oft bereits eine dritte Europäische Kulturhauptstadt aus. Außerdem haben viele Mittelstädte und ländliche Regionen einen Professionalisierungsschub im Bereich Kulturentwicklung und -politik gemacht. Diese haben die Basis für die Umsetzung und den Wunsch nach größerer Sichtbarkeit auf europäischer und internationaler Ebene gelegt. Mehr Bewerbungen für die Europäischen Kulturhauptstädte außerhalb der urbanen Zentren sind die Folge. Ein weiterer Trend sind Bewerbungen einer Stadt in Kooperation mit einer Region oft mit dem Wunsch eine integrierte Kulturentwicklung aufzubauen.

 Fokus auf öffentliche Raum-Nutzung

 Räumliche Muster allein sagen nun noch wenig über die Qualität der Bewerbungen aus. Die Auswahlkriterien bleiben diesbezüglich eher vage und im formalen Bereich. Zentral wird darauf hingewiesen, dass die Bewerbung unter Federführung einer sogenannten «Bannerstadt» erfolgen muss, die der späteren Europäischen Kulturhauptstadt ihren Namen gibt. Die Analyse der Bewerbungsbücher ist diesbezüglich aufschlussreicher: Bei den Vorschlägen für die Transformation des urbanen öffentlichen Raums wird klar, wie schwierig es ist, auch lokale Grenzen zu überwinden. Verwaltungsgrenzen verhindern häufig integrierte Planungen und Umsetzungen. Weiters wird dem breiteren internationalen Diskurs im Hinblick auf die Nutzung der öffentlichen Plätze und Infrastrukturen in vielen Bewerbungen relativ wenig Beachtung geschenkt. Abzuwarten bleibt, wie die Nutzungsveränderungen rund um die Pandemie 2020-21 die Umsetzungsvorschläge der Bewerberstädte für den öffentlichen Raum beeinflussen werden.

EU-Kohäsionsförderung UND -praxis

Vielen Stadtregionen, die sich für den Titel Europäische Kulturhauptstadt bewerben, fällt auch der Aufbau einer integrierten territorialen Governance nicht leicht. Bereits innerhalb einer Stadt gilt es zahlreiche Institutionen und Vertreter*innen der Kunst und Kulturszene einzubinden. Je nach regionalem Kontext multipliziert sich die Anzahl der Stakeholder um ein Vielfaches. Auf politischer Ebene sind häufig komplexe Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Erfolgreicher sind in dieser Hinsicht häufig jene Regionen, die bereits – in anderen Themen als der Kultur – auf eine langjährige territoriale Kooperation und diesbezüglich gewachsene Strukturen aufbauen konnten. Interessante neue (Ko-)Finanzierungsmodelle aus der Regionalentwicklung könnten auch für die Kulturentwicklung generell genutzt werden. Insgesamt wäre ein stärkerer Austausch im Hinblick auf innovative (Governance) Modelle aus der EU Kohäsionspolitik für die Europäischen Kulturhauptstädte interessant.

Langfristige internationale Zusammenarbeit

Eine weitere räumliche Ebene ist die europäische Dimension. Sie stellt den zentralen Unterschied zwischen einer nationalen Kulturhauptstadt und einer Europäischen Kulturhauptstadt dar. Städte haben eine immer wichtigere Rolle im Hinblick auf europäische und internationale Kooperation in einem Kontext, in dem die Zusammenarbeit zwischen Staaten zunehmend ergebnislos bleibt. Der urbane Bereich hat das Potenzial lokale Gemeinschaften international zu verbinden und (kultur-)politische Initiativen umzusetzen. Für viele Bewerberstädte als Europäische Kulturhauptstadt ist die Vertiefung und Weiterentwicklung der europäischen Dimension eine zentrale Aufgabe und Herausforderung. Nicht alle lokalen Kultureinrichtungen arbeiten bereits mit Partner*innen aus dem europäischen Ausland und verfügen über die notwendigen Kenntnisse. Ambitionierte Weiterbildungsprogramme sind diesbezüglich bereits Standard in vielen ausgewählten Europäischen Kulturhauptstädten. Gute Praxis besteht auch im Hinblick auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Die größeren Herausforderungen bleiben die weitere Öffnung der Europäischen Kulturhauptstädte für verstärkten Austausch außerhalb der Europäischen Union - ein Zukunftsthema von großer Relevanz im 21. Jahrhundert – sowie die nachhaltige Absicherung der europäischen Dimension auf lokaler Ebene.

 


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