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Fachbeitrag

Life on Stage - Klimafreundlich veranstalten

Laut der Initiative Klima Kollekte geht es bei klimafreundlichen Veranstaltungen darum, möglichst viele Emissionen gar nicht erst zu verursachen und bereits bei der Konzeption einer Veranstaltung Maßnahmen zur Vermeidung und Reduktion von CO2-Emissionen einzuplanen.[1] Eine CO2-Bilanzierung (z.B. mittels Online CO2-Rechnern) macht die Emissionen pro Handlungsfeld sichtbar, nicht vermeidbare Emissionen können kompensiert werden.

Der Tag der Erde Kassel wir seit 1990 zum Anlass des internationalen Earth Day jährlich als großes Umwelt- und Kulturfest gefeiert (tag-der-erde.net, earthday.org). Seit Beginn wird er unter umwelt- und klimafreundlichen Aspekten organisiert. In den Jahren 2016 und 2017 wurden gemeinsam mit den Städtischen Werken Kassel erstmalig Klimabilanzen erstellt, 2016 wurden 120 Tonnen CO2 bilanziert (bei schätzungsweise 20.000 BesucherInnen) und 2017 114 Tonnen CO2 (bei schätzungsweise 15.000 BesucherInnen). Fokus lag auf der Anfahrt und Abreise, Müllaufkommen während der Veranstaltung und dem Speisenverzehr der BesucherInnen. Mobilität Knapp 40 Prozent der in 2016 erzeugten Tonnen CO2 sind auf den motorisierten Individualverkehr zurückzuführen. Erfahrungswerte vergleichbarer Veranstaltungen betragen 70 Prozent[2]. Bereits bei der Standortwahl wird auf Faktoren wie die Erreichbarkeit mit Bahn & ÖPNV sowie auf eine Fahrrad- und Fußgängerinfrastruktur geachtet. Abfall Betrachtet man das Abfallaufkommen, welches 2016 bei 500 kg (entspricht 0,26 Tonnen CO2) lag, ist dies laut der Stadt Kassel für eine Großveranstaltung vergleichsweise sehr gering[3]. Das liegt u.a. am Verbot von Einweggeschirr und Plastikverpackungen. Ein Spülmobil wird zur Verfügung gestellt und weitere Maßnahmen, wie die Einführung eines Mehrwegbechersystems sowie die Bereitstellung von Abfallinseln, sind in Planung. Ernährung „Nahezu 70 % der direkten Treibhausgasemissionen unserer Ernährung sind auf tierische Produkte zurückzuführen, auf pflanzliche Produkte dagegen nur knapp ein Drittel“ fasst der WWF mit seiner Studie Klimateller auf dem Wandel die Auswirkungen unseres Fleischkonsums zusammen[4]. Bereits seit 2017 ist das Speiseangebot auf dem Tag der Erde fleischfrei, seit 2020 vegetarisch. Für die Kommunikation dieser Maßnahmen ist u.a. eine Kooperation mit dem KlimaTeller[5] geplant. Der KlimaTeller berechnet die CO2-Bilanz von Gerichten. Insbesondere die Zusammenarbeit mit Gastronomen steht hier im Vordergrund.

Dies hat auch der Schlachthof Kassel im Rahmen des Praxisprojektes „Selbstversuch: Klimaneutrale Veranstaltungen in der soziokulturellen Praxis“ des Netzwerkes für Nachhaltigkeit in Kunst und Kultur (2N2K e.V.) erprobt. Am Beispiel des Künstlercaterings wurde das vegetarische Angebot erhöht und gemeinsam mit dem Caterer die CO2-Bilanz pro Gericht berechnet. Die KlimaTeller-Speisekarte kommuniziert die Bilanzen und weist entsprechende klimafreundliche Gerichte aus. Im Rahmen des Selbstversuch-Projektes haben sieben soziokulturelle Zentren weitere Maßnahmen erprobt. Handlungsempfehlungen und Praxisbeispiele sind in einem Ratgeber zusammengefasst, der im Herbst 2020 auf 2n2k.de und jetztinzukunft.de online verfügbar gestellt wird.

 

Martina Keller und Kristina Gruber sind Geschäftsführerinnen der Projektschmiede für Nachhaltigkeit & Transformation (www.kellerundgruber.de) sowie Mitglied im Netzwerk für Nachhaltigkeit in Kunst und Kultur (2N2K e.V.). Kristina ist zudem wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim und Martina beschäftigt sich als Projektmitarbeiterin bei NAHhaft e.V. mit regionaler Ernährung.



[1]https://klima-kollekte.de/ueber-uns/meldungen/01-10-2018-klimafreundliche-veranstaltungen/

[2] https://www.atmosfair.de/de/fuer_unternehmen/klimafreundliche_veranstaltung/

[3] https://www.hna.de/kassel/suedstadt-ort92873/tag-erde-kassel-veranstalter-zufrieden-ngz-12235859.html

[4] https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Klimawandel_auf_dem_Teller.pdf

[5] www.klimateller.de