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Tavolata sind eine beliebte Form von Caring Communities: Die Mitglieder kochen und essen gemeinsam und leisten sich Unterstützung im Alltag. (Foto: Nicolas Zonvi)

Best Practice

"Gemeinsam gestalten wir das Zusammenleben von morgen"

Was versteht man unter einer Caring Community?

Ramona Giarraputo:

Wir verstehen darunter eine Gemeinschaft von Menschen, die sich gegenseitig im lokalen Nahraum unterstützen. Jede und jeder gibt und bekommt etwas, gemeinsam übernimmt man Verantwortung für soziale Aufgaben.

Warum braucht es mehr gesellschaftliche Verantwortung?

Weil die Trends unserer Zeit – Individualisierung, Digitalisierung, Mobilität, demografischer Wandel – tiefgreifende Spuren in der Gesellschaft hinterlassen. Wir müssen uns fragen: Halten die Menschen im Quartier noch zusammen? Bleibt noch Zeit, Angehörige zu pflegen? Wir unterstützen Caring Communities, weil sie dort aktiv werden, wo Lücken in der sozialen Versorgung bestehen.  

In welcher Form leistet das MigrosKulturprozent Unterstützung?

Gemeinsam mit anderen Trägerorganisationen vernetzen wir sorgende Gemeinschaften im Netzwerk Caring Communities Schweiz, veranstalten regionale Praxistreffen, stellen Modelle guter Praxis vor und ermuntern die Menschen, aktiv an der Zukunft mitzuwirken. Zudem sind wir gemeinsam mit anderen Stiftungen dabei, «Swisszorg» (Arbeitstitel) nach dem Vorbild des holländischen «Buurtzorg» für die Schweiz zu entwickeln.

Was wäre die Schweiz ohne Caring Communities?

Wir beobachten, dass in allen Landesteilen eine soziale Bewegung entsteht: Die Menschen wollen sich für die Gemeinschaft engagieren – und das am liebsten lokal. Die Schweiz als leistungsorientierte Gesellschaft tut gut daran, dafür zu sorgen, dass dies auch so bleibt. Denn dort, wo Menschen sich für das Wohl der anderen nicht mehr interessieren, steht der gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Spiel.

Wo besteht der dringendste Bedarf?

Der Care-Bedarf ist im Säuglingsalter, in der frühen Kindheit und im hohen Alter am höchsten – mit klarem Fokus aufs hohe Alter. Der demografische Wandel ist eine Realität; viele Menschen werden ohne Angehörige alt. Die Spitex leistet Pflege und Betreuung zu Hause, doch für ein Gespräch oder Unterstützungsleistungen im zwischenmenschlichen Bereich bleibt kaum Zeit. Hier entfalten Caring Communities ihr volles Potenzial, indem sie Unterstützung organisieren und ein Gemeinschaftsgefühl schaffen.

Sind Caring Communities auch auf andere Lebensbereiche anwendbar?

Es gibt eine Vielzahl an Modellen: von Nachbarschaftsprojekten wie den Quartiers Solidaires bis zu Koch- und Essgemeinschaften wie Tavolata. Im Kern geht es immer darum, Anteil zu nehmen und Verantwortung zu übernehmen. Diese Fähigkeiten stellen sich nicht von alleine ein. Deshalb fördern wir diese Kompetenz schon früh mit Projekten wie x-hoch-herz oder Service-Learning für Kinder und Jugendliche.

Ihr Erfolgsrezept für eine Caring Community?

Selbstorganisierte, sorgende Gemeinschaften überwinden Grenzen und bauen neue Netzwerke, die auch die Kräfte der Zivilgesellschaft stark miteinbeziehen. Der Verein «xunds grauholz» beispielsweise hat ein durchgängiges Betreuungskonzept mit Ärzten, Spitex, Heimen, Angehörigen und lokalen Freiwilligen in Zollikofen aufgebaut.